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Tucking: So tuckst du sicher und bequem

Tucking kann verschiedene Zwecke haben – um sich im eigenen Körper wohler zu fühlen, damit Kleidung so sitzt, wie man es möchte, um Bestätigung zu spüren oder einfach, um selbstbewusster durchs Leben zu gehen. Egal aus welchem Grund, es sollte immer aus Fürsorge und Komfort geschehen – niemals unter Druck der Gesellschaft.

Viele trans Frauen, transfeminine Personen und Menschen mit nicht-konformem Geschlecht erkunden das irgendwann. Trotzdem ist es immer noch ein Thema, über das kaum offen gesprochen wird. Oft entdeckt jede:r es allein, im eigenen Zimmer, vor dem Spiegel, zwischen Neugier, Zweifeln und manchmal auch Angst. 

Deshalb ist es so wertvoll, offen und klar darüber zu sprechen, in Ruhe und ohne Tabus. 

Diese Anleitung möchte dich dabei begleiten, mit Fürsorge: für deinen Körper, für dein Wohlbefinden und für dein Recht, dich in deiner eigenen Haut zuhause zu fühlen.

Was ist Tucking?

Tucking bedeutet, Penis und Hoden so zu positionieren, dass der Bereich zwischen den Beinen flacher aussieht. Das ist die technische Seite , doch die Bedeutung ist für jede Person viel umfassender. Manche machen es täglich, andere nur zu bestimmten Gelegenheiten, und wieder andere überhaupt nicht. Jede Entscheidung ist genauso gültig wie jede andere. Deine Beziehung zum Tucking definiert weder deine Identität noch deine Weiblichkeit.

Der Prozess wird nicht von allen gleich erlebt. Deine Anatomie, dein Komfort, hormonelle Veränderungen oder auch die Kleidung, die du trägst, beeinflussen, wie es sich anfühlt. Das Wichtigste: Es darf niemals wehtun. Dein Körper signalisiert, wenn etwas nicht stimmt. Wenn du Schmerz, starken Druck, Kribbeln oder Unbehagen spürst, ist es Zeit, aufzuhören.

Bevor du beginnst: Verstehe deinen Körper und deine Grenzen

Tucking erfordert ein gewisses Verständnis für den eigenen Körper. Die Hoden sind über die Samenstränge verbunden, die empfindlich sind und nicht für Ziehen oder ruckartige Bewegungen ausgelegt sind. Auf den Körper zu hören ist entscheidend: Unbehagen ist ein Warnsignal, Schmerz ein klares Zeichen, aufzuhören.

Wenn du eine Hormontherapie machst, eine Orchidektomie hattest oder sich dein Körper im Laufe der Zeit verändert hat, kann sich der Prozess anders anfühlen. Nichts davon ist ‚falsch‘ – es bedeutet nur, dass du die Technik an dich anpassen musst, nicht umgekehrt.

Was brauche ich zum Tucken?

Du brauchst nicht viel, um anzufangen. Häufig genutzt werden:

Gaffs oder Tucking-Unterwäsche

Um Tucking zu machen, muss man es nicht kompliziert gestalten. Viele Menschen verwenden Gaffs oder speziell entworfene Unterwäsche, die alles sicher und bequem an Ort und Stelle hält. Diese Kleidungsstücke sind mit Blick auf die Anatomie von trans Personen entwickelt worden und bieten Halt, ohne Schmerzen oder übermäßige Kompression zu verursachen. Marken wie TransLingerie, gegründet von Silvia Matos in Spanien, haben Unterwäsche entwickelt, die nicht aus theoretischen Überlegungen entsteht, sondern aus der realen Erfahrung trans Körper. Sie verwenden atmungsaktive Stoffe, angepasste Schnitte und bieten eine Größenvielfalt, die unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht wird.

Tucking-Kits oder medizinisches Tape

Es gibt auch Optionen mit medizinischem Tape oder Tucking-Kits. Wenn du diese Methode wählst, ist es wichtig, nur hautverträgliche Klebestreifen zu verwenden. Verwende niemals Panzerband oder aggressive Materialien; diese sind nicht nur schmerzhaft, sondern können auch Verletzungen oder starke Reizungen verursachen.

Medizinische Klebestreifen, wie die von Unclockable, sind so konzipiert, dass sie Bewegung zulassen, ohne die Haut zu schädigen. Trotzdem ist es ratsam, sie vorher an einer anderen Körperstelle zu testen, um sicherzugehen, dass keine allergische Reaktion auftritt.

Wie tuckt man?

Es gibt zwei Hauptmethoden, und mit der Zeit wirst du merken, welche für dich angenehmer ist.

1. Traditionelles Tucking

Die erste Methode ist das traditionelle Tucking, bei dem die Hoden sanft nach oben in die Leistenkanäle geführt werden, aus denen sie während der Pubertät abgestiegen sind. In Rückenlage kann das den Vorgang erleichtern. Wenn etwas weh tut oder du Widerstand spürst, hör auf. Es ist kein Vorgang, der erzwungen werden sollte. Sobald alles an seinem Platz ist, wird der Penis nach hinten gelegt und mit Tape oder einer Gaff in Position gehalten.

2. Die Gaff-only-Methode

Die zweite Methode ist einfacher und sanfter: Man verwendet nur eine Gaff, ohne die Hoden in die Leistenkanäle zu führen. Alles wird einfach zwischen den Beinen nach hinten gelegt, und die eng anliegende Unterwäsche sorgt dafür, dass die Form gehalten wird. Das Ergebnis ist vielleicht nicht ganz so flach, aber meist deutlich bequemer, besonders wenn man vorhat, viele Stunden so zu verbringen.

Sicher und bequem tucken

Tucking sollte nicht weh tun. Jede anhaltende Beschwerde ist ein Signal, dass etwas angepasst oder eine Pause eingelegt werden sollte. Es ist außerdem wichtig, Tucking nicht über viele Stunden am Stück zu machen, besonders wenn du Klebeband verwendest. Die Haut braucht Luft, Ruhe und Bewegung.

Vermeide es, beim Schlafen Tucking zu machen, da dies die Durchblutung beeinträchtigen und Irritationen verursachen kann. Wenn du Klebeband benutzt, entferne es immer sanft, niemals ruckartig: Lauwarmes Wasser oder etwas Öl können helfen, den Kleber zu lösen, ohne die Haut zu verletzen.

Die Haut sauber und trocken zu halten, ist ein weiterer wichtiger Faktor. Feuchtigkeit, besonders in Kombination mit Reibung oder Klebstoff, kann Irritationen verursachen, die nur langsam abheilen.

Wenn sich etwas nicht bessert oder du unsicher bist, kann ein Besuch bei einer medizinischen Fachperson – idealerweise mit Erfahrung im Umgang mit trans Körpern – Sicherheit und Orientierung geben.

Lass dir Zeit: Lernen ist auch Selbstfürsorge

Tucking zu lernen ist ein Prozess. Manchmal klappt es gleich beim ersten Mal, manchmal braucht es mehrere Versuche, bis du die bequemste Methode für dich gefunden hast. Es gibt keinen „einzig richtigen“ Weg – es gibt nur den Weg, der für dich funktioniert.

Denk immer daran: Tucking macht dich nicht mehr oder weniger Frau, nicht mehr oder weniger feminin, nicht mehr oder weniger gültig. Es ist nur ein Werkzeug, das dir zur Verfügung steht, und du entscheidest, wann, wie und ob du es nutzen möchtest.

Sei geduldig mit dir, geh liebevoll mit dir um und setz dich nicht unter Druck. Du machst nichts „falsch“, wenn es Zeit braucht. Du lernst gerade nur, auf deine ganz eigene Art gut für dich zu sorgen.

Authors

  • Hallo! Ich bin Victoria Vera, Social-Media-Spezialistin und angehende Content Creator bei Facialteam. Meine Reise hat eine spannende Wendung genommen, als sich die Chance ergab, Teil von Facialteam zu werden – eine Erfahrung, die mein Leben verändert hat. Von der ersten Minute an wurde ich vom Team herzlich unterstützt und ermutigt. Besonders erfüllt es mich, mit unserer Arbeit einen Beitrag für die Trans- und LGBTQA+-Community leisten zu können. Ich freue mich schon sehr darauf, euch bald kennenzulernen! Lasst uns über die Social-Media-Plattformen von Facialteam in Verbindung bleiben!

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  • Hallo, ich bin Sonja, eine der deutschsprachigen Ansprechpartnerinnen bei Facialteam im schönen Marbella. Seit 2016 bin ich Teil dieses großartigen Teams und betreue hauptsächlich die postoperativen Anliegen unserer Patientinnen, obwohl ich auch immer gerne an Konsultationen zum Übersetzen teilnehme.

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