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So pflegst du dein Haar während deiner Transition

Haar ist so viel mehr als nur Fasern, die aus deiner Kopfhaut wachsen – es hat Bedeutung, Identität und sogar sozialen Status. Es beeinflusst, wie die Gesellschaft dein Geschlecht wahrnimmt und wie du dich selbst im Spiegel siehst. Für viele Menschen, die sich in einer Transition befinden, wird das Haar zu einer der stärksten Formen der Geschlechtsaffirmation.

Die Haarpflege während einer HRT kann aufregend sein, aber auch manchmal überwältigend. Wie schnell wird es wachsen? Wird es voller? Was, wenn du mit Ausdünnung oder Geheimratsecken zu kämpfen hast? Neben dem natürlichen Wachstum gibt es auch andere Möglichkeiten wie Haartransplantationen, Perücken oder Extensions, die dir helfen können, dich mit deinem äußeren Erscheinungsbild wohler zu fühlen. Lass uns das gemeinsam – mit Empathie, Sorgfalt und ein wenig Wissenschaft – Schritt für Schritt durchgehen.

Wie Östrogen und Testosteron dein Haar beeinflussen

Ein Teil deiner Reise besteht darin zu verstehen, dass dein Haar nicht nur auf Pflegeprodukte reagiert, sondern auch auf hormonelle Veränderungen. HRT kann dein Haar auf subtile, aber wichtige Weise beeinflussen:

  • Östrogenbasierte HRT kann das Haar weicher machen, die Talgproduktion reduzieren und androgenetischen Haarausfall verlangsamen oder stoppen.
  • Testosteronbasierte HRT kann zu einer erhöhten Talgproduktion führen – das Haar fühlt sich oft dicker an, kann aber auch schneller fettig werden oder mehr sheddern.
  • Anpassungsphasen: Ein temporärer Haarausfall (telogenes Effluvium) ist zu Beginn ganz normal, während dein Körper sich an die neuen Hormonspiegel gewöhnt.

Wenn du diese Einflüsse kennst, kannst du deine Erwartungen realistischer setzen: sichtbare Veränderungen brauchen Zeit und entwickeln sich oft über mehrere Monate oder Jahre.

Warum Haarpflege mehr ist als nur Waschen

Haarpflege ist nicht oberflächlich – es geht darum, deine Kopfhaut gesund zu halten, die Haarfasern zu nähren und eine Routine zu finden, die zu deinem Alltag und deiner Haarstruktur passt.

Während deiner Transition kann sich verändern:

  • wie fettig oder trocken deine Kopfhaut ist
  • wie dick sich deine Haarsträhnen anfühlen
  • wie dein Haar auf Produkte reagiert

Deshalb ist es wichtig, eine Routine zu entwickeln, die konstant, aber flexibel ist.

Essentials für deine Haarpflegeroutine

Du brauchst keine 100 Produkte – aber die richtigen Kategorien sind Gold wert:

  • Mildes Shampoo für deinen Haartyp
  • Tiefenpflegemaske
  • Leave-in-Conditioner
  • Serum
  • Leichtes Öl für die Spitzen
  • Grobzinkamm & Entwirrbürste
  • Mikrofasertuch oder Baumwollshirt
  • Hitzeschutz
  • Feuchtigkeitsserum für die Nacht
  • Seiden- oder Satin-Kissenbezug

Die richtige Reihenfolge

Der größte „Hack“ für gesundes Haar ist nicht das Produkt selbst – sondern wie du es anwendest. Wie bei der Hautpflege baut jeder Schritt auf dem vorherigen auf.

Schritt 1: Pre-Wash

  • Trocken entwirren (bei Locken: Überspringen).
  • Leave-in 10–15 Minuten vor der Dusche einwirken lassen.

Schritt 2: Reinigen & Pflegen

  • Shampoo sanft einmassieren – mit den Fingerspitzen, nicht den Nägeln.
  • Bei viel Stylingprodukten oder fettigem Ansatz ruhig zweimal waschen.
  • Conditioner in die Längen/Spitzen geben und jetzt entwirren.
  • 3–5 Minuten einwirken lassen, dann kalt oder lauwarm ausspülen.

Schritt 3: Feuchtigkeit versiegeln & stylen

  • Wasser sanft ausdrücken (nicht rubbeln!).
  • Bei Bedarf Leave-in nutzen.
  • Für Locken: Creme/Milk + Gel/Mousse anwenden.
  • Wenn du Hitze nutzt: jetzt den Hitzeschutz.

Schritt 4: Trocknen & Finishing

  • Föhnen hilft, die Kopfhaut gesund zu halten.
  • Locken: Diffusor auf niedriger Stufe.
  • Optional: Plopping 15–20 Minuten.
  • Abschließen mit einem Serum + leichtem Öl.
  • Gel-Cast vorsichtig „auskneten“, wenn du definierte Locken möchtest.

Wie oft solltest du dein Haar waschen?

  • Glatt: alle 2–3 Tage
  • Wellig: 2–3× pro Woche + Refresh
  • Lockig/Kraus: 1× pro Woche oder weniger + Co-Wash
  • Gefärbt: tägliches Waschen vermeiden

    Hör auf dein Haar – es sagt dir, was es braucht.

Wie du dein Haar schneller wachsen lässt

1. Kopfhautpflege

  • Massagen (mit Fingern oder einer weichen Bürste)
  • Leichte Öle wie Jojoba, Argan oder Kokos
  • Sanftes Peeling 1–2× pro Woche
  • Bei Schuppen: Teebaumöl oder Shampoos mit Ketoconazol/Zinkpyrithion

2. Ernährung

  • Viel Protein (Haar = Keratin)
  • Eisen & Zink
  • Omega-3-Fette
  • Vitamine: Biotin, D, B-Komplex
  • Ausreichend Wasser trinken

Reduziere das Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum – beide schaden den Haarfollikeln.

3. Sanfter Umgang

  • Keine straffen Frisuren
  • Hitze sparsam + Hitzeschutz
  • Nicht zu oft waschen
  • Grobzinkamm benutzen

4. Hormone im Blick behalten

Östrogen verlängert die Wachstumsphase; Testosteron/DHT kann Follikel schrumpfen lassen. Gute Hormonwerte = gesünderes Haar.

5. Geduld

Haar wächst durchschnittlich 1,25 cm pro Monat. Konstanz ist der Schlüssel.

Alternativen, während du auf Wachstum wartest

  • Perücken (Lace Front für natürlichen Haaransatz)
  • Toppers/Haarteile
  • Extensions: Clip-in, Tape-in oder Sew-in
  • Haarfasern für Sofortdichte

SMP (Scalp Micropigmentation) für Haarlinien & Volumenillusion

Wann solltest du eine Fachperson aufsuchen?

Bei:

  • plötzlichem/übermäßigem Haarausfall
  • kreisrundem Ausdünnen
  • Reizungen
  • starker Schuppenbildung
  • ungewohnten Texturveränderungen

Auch unter HRT sind regelmäßige Checks sinnvoll.

Haartransplantation: eine langfristige Option

Ideal bei starkem Ausdünnen oder Haarverlust. Die Ergebnisse brauchen Zeit (Monate). Such dir ein:e Spezialist:in mit Erfahrung im Umgang mit trans Personen.

Hayley C.

Alter 32
Land Vereinigtes Königreich
Verfahren
Stirn mit Haartransplantation, Adamsapfel Reduktion, Feminisierung der Nase

Dein Haar, deine Entscheidung

Ob Perücke, Pixie, Naturcurls oder lange Mähne – es gibt kein richtig oder falsch. Was zählt, ist, dass du dich damit wohlfühlst und es deine Identität widerspiegelt.

Authors

  • Hallo! Ich bin Victoria Vera, Social-Media-Spezialistin und angehende Content Creator bei Facialteam. Meine Reise hat eine spannende Wendung genommen, als sich die Chance ergab, Teil von Facialteam zu werden – eine Erfahrung, die mein Leben verändert hat. Von der ersten Minute an wurde ich vom Team herzlich unterstützt und ermutigt. Besonders erfüllt es mich, mit unserer Arbeit einen Beitrag für die Trans- und LGBTQA+-Community leisten zu können. Ich freue mich schon sehr darauf, euch bald kennenzulernen! Lasst uns über die Social-Media-Plattformen von Facialteam in Verbindung bleiben!

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  • Hallo, ich bin Sonja, eine der deutschsprachigen Ansprechpartnerinnen bei Facialteam im schönen Marbella. Seit 2016 bin ich Teil dieses großartigen Teams und betreue hauptsächlich die postoperativen Anliegen unserer Patientinnen, obwohl ich auch immer gerne an Konsultationen zum Übersetzen teilnehme.

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